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Pot Odds berechnen: was ein Call kosten darf

Pot Odds sind der Preis eines Calls: dein Call geteilt durch den Pot, nachdem der Call drin liegt. 50 in einen Pot von 150 sind 50 von 200, also 25 %. Halber Pot 25 %, ganzer Pot 33 %, doppelter Pot 40 %. Ein Flush-Draw am Flop bringt 35 % mit, mit einer Karte noch 19,6 %.

Pot Odds beantworten am Tisch eine einzige Frage: Wie oft musst du die Hand gewinnen, damit der Call, der gerade vor dir liegt, kein Verlust ist. Berechnet wird das mit einer Division aus zwei Zahlen. Die erste ist, was der Call kostet. Die zweite ist, wie groß der Pot ist, nachdem dein Call drin liegt, also alles, was schon in der Mitte lag, plus die Bet deines Gegners, plus dein Call. Ein Call von 50 in einen Pot von 150 kostet 50 und spielt um 200, und 50 von 200 sind 25 %. Alles Weitere auf dieser Seite, die Tabelle nach Bet-Größe, die Verhältnisse, die drei Hände, ist diese eine Rechnung in anderer Schreibweise.

Pot Odds berechnen: die Formel in einer Zeile

Benötigte Equity = Call ÷ Pot nach deinem Call.

Der Nenner ist das, was du gewinnen kannst, der Zähler das, was du riskierst. Ein Pot von 100 Chips, in den dein Gegner 50 setzt, hat in dem Moment, in dem du dran bist, 150 in der Mitte. Gehst du mit, liegen 200 dort, und 50 davon waren deine. Die 200 stehen im Nenner, weil sie das sind, was auf dem Tisch liegt, wenn deine Hand gewinnt.

Warum Equity und nicht das Verhältnis? Weil die Zahl, mit der du den Preis vergleichst, ebenfalls eine Prozentzahl ist. Ein Draw hat Outs, und Outs sind eine Wahrscheinlichkeit, die Hand zu treffen. Liegt die Wahrscheinlichkeit über dem Preis, trägt sich der Call auf Dauer; liegt sie darunter, kostet er auf Dauer Chips. Beide Zahlen in derselben Einheit, ein Vergleich, eine Entscheidung. Das Verhältnis 3:1 sagt dasselbe, verlangt aber erst eine Umrechnung, und am Tisch ist eine Umrechnung weniger genau die, die du dir sparen solltest.

Die Formel kennt keine Ausnahme dafür, dass die Bet klein oder groß ist, und keine dafür, dass hinter dir noch jemand sitzt. Ein Call ist ein Call, und der Pot nach dem Call ist der Pot nach dem Call. Was sich von Hand zu Hand ändert, ist nur, wie viele Chips in den zwei Feldern stehen.

Benötigte Equity nach Bet-Größe

Am Tisch weißt du selten auf den Chip genau, wie viel in der Mitte liegt, aber fast immer, wie groß die Bet im Verhältnis zum Pot ist. Deshalb lohnt sich die Tabelle in Bet-Größen statt in Chips. Die Tabelle kommt aus derselben Formel: Setzt dein Gegner den Anteil b des Pots, ist der Preis b ÷ (1 + 2 × b), also Bet geteilt durch Pot plus zweimal die Bet, einmal für seine Bet und einmal für deinen Call.

Bet des GegnersBet ÷ (Pot + 2 × Bet)Benötigte Equity
Ein Drittel des Pots1 ÷ (3 + 2)20 %
Halber Pot1 ÷ (2 + 2)25 %
Drei Viertel des Pots3 ÷ (4 + 6)30 %
Ganzer Pot1 ÷ (1 + 2)33 %
Doppelter Pot2 ÷ (1 + 4)40 %

Eine Zeile vorgerechnet, damit die Tabelle nachprüfbar bleibt: Beim halben Pot liegen 100 in der Mitte, und der Gegner setzt 50. Nach deinem Call sind es 100 + 50 + 50 = 200, und 50 ÷ 200 = 0,25. Beim doppelten Pot liegen 100 in der Mitte, und er setzt 200: nach deinem Call 500, und 200 ÷ 500 = 0,40. Der Preis steigt mit der Bet, aber langsamer, als es sich anfühlt. Eine Bet, die viermal so groß ist wie eine halbe Pot-Bet, verlangt nicht viermal so viel Equity, sondern 40 statt 25 %.

Was die Tabelle nicht enthält, ist die andere Seite des Vergleichs. Die 25 % beim halben Pot sind ein Preis, kein Urteil. Ob der Call richtig ist, entscheidet erst die Hand, die du hältst, und wie oft die trifft.

Verhältnis und Prozent sind derselbe Satz

Die ältere Schreibweise zählt den Pot gegen den Call: 150 in der Mitte gegen einen Call von 50 sind Pot Odds von 3:1. Die Prozentschreibweise zählt den Call gegen das Ganze: 50 von 200 sind 25 %. Beides beschreibt dieselbe Bet, und die Umrechnung ist eine Zeile: Aus n:1 wird 1 ÷ (n + 1).

VerhältnisRechnungProzent
4:11 ÷ 520 %
3:11 ÷ 425 %
2:11 ÷ 333 %
1,5:11 ÷ 2,540 %
1:11 ÷ 250 %

Der Grund, warum die zwei Schreibweisen so oft durcheinandergehen, steckt im Nenner. Das Verhältnis lässt deinen Call weg und stellt ihn der Mitte gegenüber; die Prozentzahl rechnet ihn hinein. 3:1 heißt also nicht „du brauchst ein Drittel", sondern „du brauchst ein Viertel": drei Teile, die schon liegen, gegen einen, den du dazulegst, und dein Teil ist einer von vieren.

Welche Schreibweise du nimmst, ist Gewohnheitssache. Die Outs-Regel liefert Prozente, also spart die Prozentschreibweise einen Schritt. Wer mit Verhältnissen aufgewachsen ist, rechnet stattdessen die Outs um: Neun Outs am Flop sind mit zwei Karten to come etwa 1,9:1 gegen das Treffen, und 1,9:1 gegen dich ist günstiger als 3:1 für dich. Beide Wege enden bei derselben Entscheidung, und in der Hand unten stehen deshalb beide Zahlen nebeneinander.

Die Hand: 9h 8h im Big Blind

Stell dir ein Cash Game vor, Blinds 10/20, beide Stacks um die 100 Big Blinds. Du sitzt im Big Blind mit 98. Der Button raist auf 45, der Small Blind foldet, du callst: 100 Chips liegen in der Mitte. Der Flop kommt Kh 6h 2s, zwei Herzen für deinen Flush-Draw und sonst nichts. Der Button bettet 50.

BB 98BTN 50

50 / 200 = 25%

50 in einen Pot von 150: nach deinem Call liegen 200, und du brauchst 25 %.

Erst der Preis. Als du dran bist, liegen 150 in der Mitte, die 100 von vorher und seine 50. Dein Call kostet 50, danach liegen 200. 50 ÷ 200 = 25 %, oder 3:1, wenn dir das lieber ist. Diese Zahl steht fest, bevor du auf deine Karten geschaut hast; sie hängt nur von den Chips ab.

Dann die Hand. Dreizehn Herzen gibt es im Deck, zwei hältst du, zwei liegen auf dem Board, neun sind noch irgendwo. Jedes davon macht dir den Flush, und auf diesem Board ist ein Flush mit der Neun fast immer die beste Hand. Neun Outs mit zwei Karten to come: Die Faustregel sagt 9 × 4 = 36 %, die genaue Rechnung 35 %.

flush9 outs× 436%exact 35%

35 % Equity gegen 25 % Preis. Das ist ein Call, und kein knapper: Du bekommst die Chance auf deinen Flush für weniger, als sie wert ist. Wer hier foldet, verschenkt auf Dauer Chips, und zwar bei jedem Fold, nicht nur in den Händen, in denen das Herz gekommen wäre.

Ein Punkt, der in dieser Rechnung steckt und leicht überlesen wird: Die 35 % gelten für Turn und River zusammen. Ist die Bet ein All-in, siehst du beide Karten sicher, und die Rechnung ist fertig. Ist sie es nicht, siehst du den River nur, wenn du am Turn noch einmal zahlst oder der Button checkt. Was das kostet, sagen die Pot Odds vom Flop nicht, und genau darum geht es zwei Abschnitte weiter.

Dieselbe Hand, dreimal so teuer

Gleicher Big Blind, gleiche 9h 8h, gleicher Flop Kh 6h 2s, gleiche 100 Chips in der Mitte. Diesmal bettet der Button 300, das Dreifache des Pots.

BB 98BTN 300

300 / 700 = 43%

300 in einen Pot von 400: nach deinem Call liegen 700, und du brauchst 43 %.

Der Preis: 400 in der Mitte, als du dran bist, 700 nach deinem Call, und 300 ÷ 700 = 42,9 %. Als Verhältnis 400:300, also 1,33:1. Die Hand: unverändert, neun Outs, 35 % mit zwei Karten. 35 % gegen 43 % ist ein Fold, und zwar ein deutlicher. Der Draw ist derselbe wie eben, das Board ist dasselbe, die Chance auf den Flush ist bis auf die Nachkommastelle dieselbe. Geändert hat sich ausschließlich der Preis.

Das ist der Grund, warum die Frage „callt man einen Flush-Draw am Flop?" keine Antwort hat. Es gibt zwei, und welche gilt, sagt die Bet. Wo die Grenze liegt, steht in der Tabelle oben: Neun Outs mit zwei Karten tragen jede Bet bis zum ganzen Pot (33 %) und knapp darüber; die 35 % sind bei rund 1,2-fachem Pot erreicht, und alles darüber ist ein Fold.

Weil der Preis in Prozent dasteht, siehst du auch, wie weit die 300 daneben liegen: nicht um ein paar Punkte, sondern um acht. Ein Call hier wäre keine Frage des Mutes, sondern eine Rechnung, die der Button gerade für dich gemacht hat.

Der Turn: gleicher Preis, halb so viele Karten

Zurück zur ersten Hand. Du hast die 50 gecallt, in der Mitte liegen 200. Der Turn bringt die 3c, eine Karte, die niemandem hilft: Das Board ist jetzt Kh 6h 2s 3c, dein Draw ist noch derselbe, und deine Hand ist immer noch Neun hoch. Der Button bettet 100.

BB 98BTN 100

100 / 400 = 25%

100 in einen Pot von 300: nach deinem Call liegen 400, wieder 25 %. Aber nur noch eine Karte.

Der Preis ist derselbe wie am Flop: 300 in der Mitte, 400 nach deinem Call, 100 ÷ 400 = 25 %. Der Draw ist auch derselbe, neun Herzen. Geändert hat sich die Zahl der Karten, die noch kommen: eine statt zwei. Neun Outs mit einer Karte to come sind 9 von 46, also 19,6 %; die Faustregel sagt 9 × 2 = 18 %.

flush9 outs× 218%exact 19.6%

19,6 % gegen 25 % ist ein Fold. Derselbe Preis, der am Flop ein klarer Call war, ist am Turn zu hoch, und daran ist nicht die Bet schuld, sondern das Deck. Am Flop hattest du zwei Versuche für deine 50; am Turn hast du einen für deine 100.

Das ist die Straße, auf der die meisten Chips mit Draws verloren gehen, und sie zeigt, warum die 35 % vom Flop mit Vorsicht zu lesen sind: Fast die Hälfte davon war der River, und den siehst du nur, wenn du am Turn noch einmal zahlst oder der Button checkt. Jede Straße rechnet neu, mit dem Pot, der jetzt liegt, und den Karten, die jetzt noch kommen.

Die zwei Fehler im Nenner

Beide gängigen Rechenfehler stecken in der zweiten Zahl, und beide liefern ein Ergebnis, das plausibel aussieht. Die Division selbst macht niemand falsch.

1505020050 / 200 = 25%
Der Pot nach deinem Call: 100 von vorher, 50 vom Button, 50 von dir.

Der eigene Call fehlt. Du teilst die 50 durch die 150, die gerade in der Mitte liegen, und bekommst 33 %. Das ist der Preis eines ganzen Pots, nicht eines halben. Mit dieser Zahl wird der Flush-Draw am Flop, 35 % gegen 33 %, zu einem knappen Call statt zu einem klaren, und ein Draw mit acht Outs (31 % mit zwei Karten) zu einem Fold, obwohl er gegen die echten 25 % klar mitgehen darf. Dieser Fehler passt zu oft.

Die Bet des Gegners doppelt. Du weißt, dass die Bet in den Nenner gehört, und zählst sie einmal als Teil der Mitte und noch einmal als das, was du mitgehst. Bei der 300er-Bet aus der zweiten Hand macht das 100 + 300 + 300 + 300 = 1.000, und 300 ÷ 1.000 = 30 %. Plötzlich sieht der Draw mit seinen 35 % wie ein Call aus. Richtig gerechnet sind es 700 im Nenner, 43 %, und der Fold steht. Dieser Fehler geht zu oft mit.

Ein Gegencheck, der beide auffängt: Der Pot nach deinem Call ist immer die Mitte, wie sie liegt, wenn du dran bist, plus genau dein Call, kein Chip mehr und keiner weniger. Siehst du 150 auf dem Tisch und sollst 50 nachlegen, sind es 200. Wer 150 oder 250 im Nenner hat, hat entweder den eigenen Call vergessen oder die Bet des Gegners zweimal gezählt.

Was Pot Odds nicht beantworten

Pot Odds beantworten genau eine Frage: Lohnt sich dieser Call, wenn die Hand mit ihm endet. Bei einem All-in ist das exakt der Fall, und die Rechnung ist vollständig. Bei einer Bet, die kein All-in ist, kommen nach dem Call weitere Straßen, auf denen du entweder noch einmal zahlen musst oder, wenn du triffst, noch etwas dazubekommen kannst. Was der getroffene Flush später noch einbringt, sind Implied Odds, und die sind eine eigene Rechnung mit eigenen Fehlern. Hier nur so viel: Implied Odds können den Preis nach unten korrigieren, nie die Outs nach oben.

Eine zweite Grenze: Die Outs-Zahl setzt voraus, dass jedes Out die Hand auch gewinnt. Auf Kh 6h 2s ist der Flush mit der Neun selten geschlagen, aber gegen einen Gegner, der ein höheres Herz halten kann, sind neun Outs großzügig gezählt. Pot Odds rechnen mit der Equity, die du ihnen gibst; sie prüfen nicht, ob die stimmt.

Häufige Fragen

Wie berechne ich Pot Odds am Tisch, ohne Tabelle? Addiere die Mitte und deinen Call, und teile deinen Call durch die Summe: 150 liegen, 50 sollst du zahlen, 50 ÷ 200 = 25 %. Ohne Dividieren: Eine halbe Pot-Bet kostet 25 %, eine ganze 33 %.

Sind Pot Odds von 3:1 dasselbe wie 25 %? Ja. 3:1 zählt den Pot gegen den Call, 25 % zählt den Call gegen den Pot nach dem Call. Aus n:1 wird 1 ÷ (n + 1), aus 3:1 also 1 ÷ 4.

Warum ist der Flush-Draw am Flop ein Call und am Turn ein Fold, wenn die Bet gleich groß ist? Weil die Outs gleich bleiben, aber die Karten, die noch kommen, sich halbieren. Neun Outs sind mit zwei Karten 35 %, mit einer 19,6 %. Ein halber Pot kostet auf beiden Straßen 25 %.

Zählt der Big Blind, den ich schon gezahlt habe, zum Pot? Ja. Sobald er in der Mitte liegt, gehört er dem Pot und nicht mehr dir; im Zähler steht nur der Call, den du jetzt machen sollst.

Die Regel, die bleibt: Der Call geteilt durch den Pot, in dem er danach liegt, ist der Preis; die Outs mit den Karten, die noch kommen, sind die Equity. Liegt die Equity über dem Preis, gehst du mit, sonst nicht, und auf jeder Straße rechnest du neu.